Montag, 4. Juli 2011

Klitschko vs Haye - Ein Tiefschlag für die Popularität des Boxsports

Boxen, einst eine der größten und populärsten Sportarten der Welt, befindet sich seit einigen Jahren auf dem absteigenden Ast. Die Fernsehratings werden schlechter und in den USA (dem größten Sportmedienmarkt der Welt) wurde Boxen in seiner Popularität bereits durch die UFC überholt.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zu viele Gewichtsklassen (17 Stück), viel zu viele Titel (allein 58 Major Titel gibt es im Boxsport), Promoter die die Gegner ihrer Schützlinge Handverlesen und uns so um die besten Kämpfe betrügen (Mayweather vs Paquio). Einer der Gründe ist allerdings auch die Dominanz der Klitschkos im Schwergewicht und vor allem die Art und Weise auf die Wladimir Klitschko die prestigeträchtigste Gewichtsklasse des Profiboxens dominiert.

Wladimirs Nehmerqualitäten sind bei weitem nicht die besten im Boxsport, dies wurde in den Jahren 2003 und 2004 besonders deutlich in denen er Kämpfe gegen deutlich schwächere Gegner durch Technisches KO verlor (Corrie Sanders 2003/ Lamon Brewster 2004). Klitschko und sein Trainerstab zogen die logischen Konsequenzen aus den beiden Niederlagen. Sie änderten Klitschkos Boxstil um seine größte Schwäche möglichst gut zu verbergen. Der Ansatz ist den Gegner möglichst weit von Klitschkos Kinn wegzuhalten, dies wird dadurch erzeugt, dass Klitschko auf Anstand bleibt, viele taktische Jabs einsetzt und jeden Ansatz eines Infights mit häufigen Klammern unterbindet. Natürlich kann man Wladimir keinen Vorwurf machen, denn jeder Profisportler versucht seine Stärken in den Vordergrund und seine Schwäche in den Hintergrund zu drängen. Doch hatte Klitschkos Entscheidung zwei direkten Folgen: Wladimir Klitschko wurde zu einem der dominantesten Schwergewichtsboxer aller Zeiten und die wichtigsten Kämpfe im Schwergewicht wurden, gerade für den casual Fan den nichts weniger Interessiert als ausgeklügelte Boxtaktiken, langweiliger denn je.
Ich glaube ich wage mich nicht zu weit heraus wenn ich behaupte, dass nicht nur ich die Hoffnung hatte das sich eines oder beides Samstagabend ändern könnte. Der Hype um Klitschko vs Haye erreichte die höchsten Level seit 4 Jahren (2008 de la Hoya vs Mayweather). David „Hayemaker“ Haye galt als ersten ernsthafter Konkurrent für Klitschko in seiner gesamten Karriere. Hayes Verhalten vor dem Kampf lenkte immer wieder Aufmerksamkeit auf den Kampf und polarisierte Fans in einer lange nicht mehr dagewesenen Art und Weise. Kurz gesagt, Klitschko vs Haye galt als der Kampf der dem langsam dahinsiechendem Schwergewicht neues Leben einhauchen sollte.  Nichts dergleichen geschah Samstagabend in Hamburg.

Natürlich ist dem Ausgang des Kampfes eine großer Teil der Schuld zuzuschreiben denn es wäre die beste Story gewesen die Boxen seit langem hatte: Haye besiegt Wladimir und Vitali eilt zur Hilfe um  die Ehre seines Bruder zu rächen und die verloren Titel für die Klitschko Familie zurückzugewinnen. Das ist der Stoff aus dem Hollywood Blockbuster gemacht werden. Aber auch ein Sieg von Klitschko hätten dem Boxsport helfen können wenn er spannend gewesen wäre oder spektakulär oder wenn Haye seinen Worten auch nur  ansatzweise Taten hätte folgen lassen.  Leider geschah nichts von alledem. Klitschko domminierte auf seine gewohnte Art und Weise (die Ringrichter werteten den Kampf 118-108, 117-109, 116-110). Haye kämpfe ängstlich, zeigte das seine großen Worte nichts als Luft waren, und schob die Niederlage am Ende des Kampfes auf seinen gebrochenen Zeh.  Klitschko hielt Haye auf Distanz, diktierte das Tempo, trieb Haye durch den Ring wie es ihm gefiel und sein Sieg war nicht eine Sekunde in Gefahr – buisness as usual.

Mein größtes Problem mit Hayes Vorstellung ist, dass ihm spätestens nach sieben Runde klar gewesen sein muss, dass er den Kampf nach Punkten nicht gewinnen wird. Was wäre die logische Konsequenz? Die Defensive hinten anstellen, nach vorne gehen, mit offenem Visier zu kämpfen und alles tun um Klitschko doch noch durch ein KO zu besiegen.  Das Problem ist, dass im Boxsport normale Logik nicht greift. Falls Haye alles riskiert steigt sein Risiko selber KO zu gehen und genau das galt es zu verhindern. Denn im Boxsport wird ein KO Sieg immer als ein wesentlich klareres Resultat gesehen als ein Punktsiegt, egal wie deutlich dieser ausfällt. Meiner Meinung war sich Haye darüber bewusst, dass er nicht mehr gewinnen kann und legte nun alles daran den Kampf „nur“ nach Punkten zu verlieren um die Niederlage später auf die Punktrichter, seinen gebrochenen Zeh und die schlechte Sternenkonstellation zu schieben. Dies eröffnet ihm dann die Chance einen Rückkampf und damit eine neue Millionengage zu forder. Natürlich ist diese Forderung nach einer Punkteniederlage wesentlich stärker als nach einer KO Niederlagen, da eine Punkteentscheidung, vorallem im den Augen der Fans, immer  Fragen offenen lässt.

Die Wahrheit ist allerdings, dass dieser Kampf nicht eine einzige Frage offen ließ, Haye hatte nicht das Talent und schon gar nicht das Herz Klitschko zu besiegen. Die Wahrheit ist, dass im Moment niemand das Talent hat Klitschko zu besiegen. Die Wahrheit ist, dass Klitschkos Kampfstil zwar unglaublich effektiv aber auch unglaublich langweilig ist. Die Wahrheit ist, dass wir ewig auf Mayweather vs Paquio warten werden. Die Wahrheit ist, dass Boxen nicht langsam stirbt sonder für viele schon lange tot und begraben ist. 

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